Aufruf zum Passionsopfer 2019

GAW Projekt Venezuela

Ohne Hilfe geht in Venezuela nichts mehr

„Mein Baby ist an Unterernährung gestorben. Was ich beschaffen konnte, hat nicht gereicht, um es am Leben zu halten“, erzählt eine junge Frau leise in einem Fernsehbeitrag. Venezuela 2018: Im erdölreichsten Land der Welt spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Menschen hungern, unzählige Kinder leiden an Mangelernährung. Weil es keine Medikamente gibt, sterben Menschen an heilbaren Krankheiten. Venezuela befindet sich in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Die begann im Grunde mit dem Amtsantritt des 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez im Jahre 1999.

Das Projekt des Präsidenten sah vor, Armut und Korruption zu beseitigen. „Doch der Chavismus trieb die herrschenden Zustände von massiver Korruption, massivem Populismus und Klientelismus auf die Spitze und erhöhte sie zur Karikatur, zur maßlosen Übertreibung. Und nun, etliche Jahre später, endet das, was anfangs hoffnungsvolle Begeisterungsstürme der Massen hervorrief, in einer humanitären Tragödie.“

Die Inflationsrate in Venezuela beträgt 4,5 % – nicht jährlich, sondern täglich. Für das Jahr 2018 belief sie sich insgesamt auf eine Teuerung von einer Million Prozent. 2017 betrug sie „nur“ 1 000 %. Das Transportsystem ist zusammengebrochen und trotz eigener Erdölquellen ist es im Land schwer, Benzin zu beschaffen. Gleichzeitig blüht der Schmuggel mit Treibstoff und Drogen. Kein Geheimnis ist, dass die Militärs daran beteiligt sind und davon profitieren. Die zunehmende Verrohung und Gewalt, vor denen ein korrupter Polizeiapparat keinen Schutz bietet, haben viele Hilfsorganisationen dazu veranlasst, das Land zu verlassen.

Anfang September 2018 ist Gerardo Hands, der Kirchenpräsident der Evangelisch‐Lutherischen Kirche in Venezuela, von einer Auslandsreise nach Venezuela zurückgekehrt. Damit hat er einen umgekehrten Weg genommen als viele andere Venezolaner: 60 000 Menschen fliehen täglich aus dem Land.

Schulen schließen

Auch auf die Schulen wirkt sich die Situation im Land gravierend aus. In einer öffentlichen Grundschule der Stadt Caucagua sind am ersten Schultag von 65 angemeldeten Schülerinnen und Schülern nur drei erschienen. Damit war diese Schule keine Ausnahme. Die Gründe sind vielschichtig: ein Mangel an öffentlichen Bussen, die inzwischen zu 90 % ausfallen, oder dass Familien nicht mehr im Land sind.

Die Evangelisch‐Lutherische Gemeinde in Valencia ist Trägerin der evangelischen Schule „La Esperanza“. Pastor Hands berichtet, dass es vielen Eltern große Probleme bereitet, das Schulgeld aufzubringen: „Die Elternversammlungen wollten, dass wir die Gehälter unserer Lehrer kürzen. Unsere Lehrerschaft verdient 3,5 Mal mehr als der Mindestlohn, aber auch das reicht bei Weitem nicht zum Leben. Der Mindestlohn beträgt derzeit (Stand 20. September 2018) umgerechnet vier US‐Dollar im Monat.“

Die Schule „La Esperanza“ (Die Hoffnung) hat noch geöffnet. Etwa die Hälfte der privaten Schulen in der Region musste jedoch inzwischen schließen. Die öffentlichen Schulen haben seit Juli kein Geld für die Lehrergehälter erhalten. Dazu kommen der desolate Zustand der Gebäude, tägliche Stromausfälle zwischen zwei und acht Stunden, verunreinigtes Leitungswasser.

Flucht als Ausweg

Drei Millionen Venezolaner haben laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR das Land bisher verlassen, inoffiziell wird von fünf Millionen ausgegangen. Das UNHCR erkennt Venezolanern inzwischen den Flüchtlingsstaus zu. In Spanien sind im Jahr 2018 bisher mehr Flüchtlinge aus Venezuela angekommen als aus Afrika, heißt es in offiziellen Statistiken. Kolumbien hat etwa eine Million venezolanischer Flüchtlinge aufgenommen. Viele ziehen von dort allerdings weiter nach Ecuador, Peru und Chile. Der Exodus aus Venezuela ist einer der größten in der Geschichte Lateinamerikas.

Auch in den südamerikanischen Nachbarländern hungern die meisten venezolanischen Flüchtlinge. Etwa 80 Prozent von ihnen leiden unter Lebensmittelmangel, erklärte das Welternährungsprogramm WFP.

Die Diakonie kämpft ums Überleben

Die kleinen lutherischen Gemeinden haben über Jahre ein starkes soziales Engagement entwickelt. Doch durch die Krise wird die Arbeit der sozialdiakonischen Werke zu einer kaum zu stemmenden Aufgabe. Die evangelische Gemeinde in Valencia ist Trägerin des Kinderheims Casa Hogar und des Kindergartens Casa de Amistad. Die lutherische Gemeinde in Caracas beteiligt sich am Sozialzentrum Acción Ecumenica, das sich um Gesundheitsversorgung, Aus‐ und Fortbildung sowie soziale Arbeit kümmert. Die evangelische Gemeinde in Barquisimeto errichtet mit Hilfe des GAW gerade einen Kindergarten.

Die diakonische Arbeit kann aktuell ohne Unterstützung von außen nicht mehr existieren. Gerardo Hands: „Nehmen Sie das Kinderheim Casa Hogar. Ohne Unterstützung aus dem Ausland könnten wir die Kinder im Kinderheim nicht mehr ernähren.“ In Deutschland ist das GAW derzeit die einzige evangelische Hilfsorganisation, die in Venezuela tätig ist. Weitere Unterstützung erhält die lutherische Kirche aus Finnland und den Vereinigten Staaten sowie vom Lutherischen Weltbund. „Wir sind eine kleine Kirche in Venezuela und weit davon entfernt, einen großen Einfluss in der venezolanischen Gesellschaft zu haben“, sagt Gerardo Hands, „Aber wir begleiten die Menschen, mit denen wir hier leben, wir stehen an ihrer Seite.“

Aufgrund dieser akuten humanitären Krise möchte das GAW seinen Partnern in Venezuela in besonderer Weise helfen. Das größte Problem derzeit ist die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten. Deshalb unterstützt das GAW das Medizinzentrum der Acción Ecumenica in Caracas sowie das Kinderheim Casa Hogar und den Kindergarten Casa de Amistad der lutherischen Gemeinde in Valencia. Zudem erhalten die pastoralen Mitarbeitenden eine Unterstützung, damit die Gehälter bis Ende 2019 gesichert sind. Für diese Sonderhilfen will das GAW gemeinsam mit anderen Organisationen 40 000 Euro sammeln. Helfen Sie mit!

Das Konto zum Helfen (Stichwort: Venezuela):

Gustav-Adolf-Werk in Hessen und Nassau

Evangelische Bank

IBAN: DE04 5206 0410 0204 1125 71

BIC: GENODEF1EK1

 

Eine PDF-Datei mit allen Informationen zum Passionsopfer 2019 können Sie hier herunterladen:

Passionsopfer 2019