Gustav-Adolf-Preis 2018

(v.l.n.r.) Pfarrer Gerhard Hechler, Bundespräsident a.D. Joachim Gauck, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (© Rudolf Uhrig)

Joachim Gauck für sein friedenspolitisches Engagement geehrt

Das Gustav-Adolf-Werk Hessen Nassau hat Bundespräsident a.D. Joachim Gauck in Anerkennung seines besonderen Engagements für Freiheit, Verantwortung und Toleranz am 2. November 2018 in Worms mit dem Gustav-Adolf-Preis ausgezeichnet.

Mit der Ehrung werden regelmäßig Persönlichkeiten gewürdigt, die aus ihrem protestantischen Selbstverständnis heraus eine gesellschaftliche Vorbildfunktion übernehmen und im Sinne des Gustav-Adolf-Werks (GAW) ein Zeichen setzen für die Wahrung der Menschenrechte, den Schutz von Minderheiten oder für das Recht auf eigene Identität, Kultur und Religion.

Die Laudatio für Joachim Gauck hielt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer. Darin betonte sie, dass sein Name für ein unbeirrbares Verlangen nach Freiheit und Gerechtigkeit stehe. Gerade auch aus seinen eigenen Erfahrungen als Kind der Nachkriegszeit und durch sein Leben in der ehemaligen DDR sei sein starkes Bewusstsein dafür entstanden, wie kostbar demokratische Freiheit ist. Er habe sich daher immer wieder gegen Unterdrückung und für Demokratie und Freiheit eingesetzt und habe den Gedanken „Vielfalt ist Reichtum – auch wenn das anstrengend sein kann“ formuliert, der sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehe. All dies sei, so Dreyer, besonders im Hinblick auf das aktuelle Weltgeschehen relevant, wo in manchen Ländern Politiker an der Macht seien, die Demokratie verachten. Sie beendete ihre Laudatio mit dem nicht nur an Joachim Gauck gerichteten Apell: „Seien Sie mutig, seien Sie nicht ängstlich, streiten Sie weiter für Demokratie!“.

„Sein Aufruf zur Toleranz, auch als einer Abkehr von bloßer Gleichgültigkeit wiederholt die Mahnung zur Brüderlichkeit. Joachim Gauck hat damit jederzeit auf vielfältige Weise dazu verholfen, Nächstenliebe zu bezeugen und Menschen zu ihrer Achtung und Würde zu verhelfen“, zitiert Pfarrer Gerhard Hechler, Vorsitzender des Gustav-Adolf-Werks Hessen-Nassau, anschließend aus der durch ihn überreichten Urkunde.

Bundespräsident Joachim Gauck a.D. sprach sich in seinem Dank für ein Zusammenwirken von Staat und Kirche aus. Als ehemaliger Pfarrer habe er immer versucht, seinen geprägten Glauben mit den Erfahrungen aus der Politik zusammen zu bringen. Glaube gehe nicht ohne Barmherzigkeit und Nächstenliebe – weltlich gesprochen bedeute das Solidarität. „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ – mit diesem Satz aus der Bibel sei gemeint, dass die Freiheit Erwachsener die Verantwortung sei, zu der Gott die Menschen als einzige Lebewesen befähigt habe. „Wir Menschen sind fähig zum Guten und können die Welt zum Guten verändern“, so Gauck, „das öffentliche Leben, das wir als Bürger gestalten, ist das Feld unserer Möglichkeiten“. Der Gustav-Adolf-Preis, so Gauck weiter, entspreche seinem Leben sehr gut und er würdige den Einsatz für Menschen, die in der Gesellschaft oftmals übersehen würden. Ebenso wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte sich Bundespräsident a.D. Joachim Gauck ergriffen vom Grußwort des syrischen Pfarrers Mofid Karajili, der mithilfe des GAW Projekte mit Jugendlichen im durch den Krieg zerstörten Homs umsetzt. Gauck entschied daher, nicht nur sein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro für dieses Projekt zu spenden, sondern es aus seinen eigenen Mitteln zu verdoppeln. Auch die Kollekte des Festgottesdienstes geht nach Syrien und ist für den Wiederaufbau der zerstörten Schulen und Kirchen dort bestimmt.

Beim anschließenden Empfang im Rathaus betonte Michael Kissel, Oberbürgermeister der Stadt Worms, welche Ehre und Freude es für die Stadt sei, dass der Gustav-Adolf-Preis erneut dort überreicht werde. Er zitierte aus dem Text der Preis-Urkunde, dass Joachim Gauck „die Freiheit des Menschen als die tiefe Sehnsucht, ungebunden zu sein, nicht kommandiert zu werden, Maßstäbe selbst zu bestimmen“, beschrieben habe. Wenn er Gaucks Lebensweg richtig verstanden habe, so Kissel, sei es immer sein Bestreben gewesen, für das Recht der Menschen auf Freiheit, Licht und Wärme zu kämpfen. Dafür gebühre im Respekt und Dank. Anschließend trug sich Bundespräsident a.D. Joachim Gauck in das Goldene Buch der Stadt ein.