Matthias Loesch, Vorsitzender des GAW Hessen und Nassau, Georg Dieter Wiesner, stellvertretender Vorsitzender, und Heinz-Horst Deichmann mit der Preisurkunde - Foto: Uhrig

Gustav-Adolf-Preis 2013 an Heinz-Horst Deichmann

Am Freitag wurde der diesjährige Gustav-Adolf-Preis der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) an Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Heinz-Horst Deichmann verliehen. Das Diasporawerk der EKHN zeichnet mit diesem Preis alle zwei Jahre Persönlichkeiten aus, die aus ihrem protestantischen Selbstverständnis heraus eine gesellschaftliche
Vorbildfunktion übernehmen und im Sinne des Gustav-Adolf-Werks ein Zeichen setzen für die Wahrung der Menschenrechte, den Schutz von Minderheiten oder für das Recht auf eigene Identität, Kultur und Religion.

Die Preisvergabe erfolgte in der Wormser Lutherkirche, im Rahmen eines Gottesdienstes, der von Dekan Harald Storch, den beiden Gemeindepfarrern, Fritz Delp und Anne Tennekes und dem Lutherchor unter Leitung von Kantor Christian Schmitt  festlich gestaltet wurde. Die Festpredigt hielt Dr. Dr. h.c. Wilhelm Hüffmeier, Präsident des Gustav-Adolf-Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der mit seiner tiefgründigen Auslegung des Pauluswortes: „Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen“, bereits wichtige Hinweise auf das Wirken des Preisträgers gab.

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Preisträger Heinz-Horst Deichmann und
Bürgermeister Michael Kissel - Foto: Uhrig

Seit 1997 wird der Gustav-Adolf-Preis verliehen, erläuterte Pfarrer Matthias Loesch, Vorsitzender des Gustav-Adolf-Werks, in seinem Grußwort. Bisher erhielten ihn Hans Koschnik, die damalige französische Kultusministerin, Catharine Trautmann, Roman Herzog, Jerzy Buzek, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlamentes, Johannes Rau, der Verein zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche und Heidemarie Wieczorek-Zeul. Als letzte Preisträgerin wurde Anne-Sophie Mutter in der Wormser Dreifaltigkeitskirche geehrt. In der Lutherstadt Worms wolle man auch zukünftig die Preisvergabe durchführen, sagte Matthias Loesch.

 

Er ging in seiner Rede auf die Bedeutung König  Gustav Adolfs für den Protestantismus ein sowie und auf die Gründung des Gustav-Adolf-Werks anlässlich seines 200. Geburtstages. Christian Gottlob Leberecht Großmann hatte damals dazu aufgerufen, dem Schwedenkönig kein steinernes, sondern ein lebendiges Denkmal zu setzen, ein Hilfs- und Liebeswerk ins Leben zu rufen, um die protestantischen Diasporagemeinden zu fördern und stärken. Heute unterstützt das Gustav-Adolf-Werk über 40 Minderheitenkirchen in mehr als 35 Ländern.

„Der Löwe von Mitternacht“ wurde König Gustav Adolf genannt, weil er geradlinig und aufrecht gewesen sei, schlug Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, in seiner Laudatio einen Bogen zu Heinz-Horst Deichmann. Auch er sei ein Löwe, eine glaubwürdige Persönlichkeit in Zeiten der Gottvergessenheit. Drei Dinge hob Gundlach an Deichmann hervor: sein soziales Engagement, den verantwortungsvollen Umgang mit seinem unternehmerischen Erfolg und seine private Frömmigkeit. Er habe selbst immer wieder an Bibelkreisen teilgenommen und sie auch geleitet. Die Stärkung der Menschen im christlichen Glauben seit gerade heute auch ein besonderes Anliegen der Kirchen.

Nach der Überreichung des Gustav-Adolf-Preises, eines handgefertigten Kerzenleuchters, und nach dem Verlesen der Urkunde durch Matthias Loesch und seinen Stellvertreter Georg Dieter Wiesner ergriff der Geehrte selbst das Wort.

„Mir gehört nur, was ich verschenke“, war einer seiner ersten Sätze. Und dann begann er zu erzählen, wie er vor 37 Jahren erstmals in Indien war, um Leprakranke zu operieren und Tuberkulosekranken zu helfen. Denn der spätere Schuhmagnat hatte nach Kriegsende Theologie und Medizin studiert und praktizierte fünf Jahre als Arzt, bevor er 1956 die Leitung des Familienunternehmens übernahm.
„Wer viel hat, muss viel geben“, ist eine andere Devise des bekennenden Christen. 1974 gründete er die Heinz-Horst-Deichmann-Stiftung zur Förderung sozialer Einrichtungen, die auch das Sozialwerk „wortundtat“ finanziert. Es ist vor allem in Indien, Tansania und Moldawien tätig. Deichmann stellte aber 2005 auch 15 Millionen Euro für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südasien zur Verfügung, ist Gönner der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba und bringt sich auch im kulturellen Bereich ein.

Doch davon sprach er in seiner Dankesrede nicht. Er erzählte von den strahlenden Augen der Menschen, denen er helfen konnte, von dem jungen Tansanier, der Christ geworden sei und in seinem Land für seine Mitbrüder einiges habe bewegen können. Er selbst versuche nicht, die Menschen in diesen Ländern zum christlichen Glauben zu bekehren, gegen eine 2000jährige Kultur komme er nicht an, „aber ich trete dort mit der Freiheit eines Christenmenschen auf“. Das sei eine Hoffnung für viele, die am Rande der Gesellschaft lebten.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab Oberbürgermeister Michael Kissel einen Empfang zu Ehren von Dr. Deichmann, bei dem er sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug.

Ulrike Schäfer