PREISTRÄGER DES GUSTAV-ADOLF-PREISES

Das Gustav-Adolf-Werk unserer hessen-nassauischen Landeskirche wie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kümmert sich seit über 175 Jahren um die Anliegen evangelischer Minderheitskirchen in West-, Ost- und Südeuropa, Lateinamerika und Mittelasien. Der Dienst des Diasporawerkes dient, wie es die Satzung des GAW besagt, „geistlichem und materiellem Teilen in ökumenischer Verantwortung“.

In besonderer Weise versteht sich der Dienst unseres Werkes als ein Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte. Der Schutz von Minderheiten, das Einklagen ihres Rechtes auf eigene Identität, auf eigene Kultur und eben auch eigene Konfession bzw. Religion ist integraler Bestandteil unserer Arbeit. Dafür einzutreten, was die jüdische Sozialphilosophin Hannah Arendt einmal „das Recht, Rechte zu haben“ nannte, ist ein Leitmotiv unseres Dienstes. Das Gustav-Adolf-Werk begreift daher seinen Auftrag als stets der gelebten Ökumene, der Toleranz, der Versöhnungsarbeit und letztlich auch der Ermöglichung einer multikulturellen Gesellschaft, wo auch immer auf der Welt, verpflichtet.

Wir meinen, dass damit auch Grundanliegen des Protestantismus zur Verwirklichung kommen, dem es zumindest, wenn man bestimmten Traditionen folgt, nicht nur um die Wahrung eigener konfessioneller Interessen zu gehen hat, sondern auch um das, was auf dem so genannten „Schwedenstein“ bei Lützen, dem Ort, wo Gustav Adolf 1632 zu Tode kam, eingraviert ist: „Für Geistesfreiheit“. Ein dem Namenspatron unseres Werkes zugeschriebenes Wort ist uns Leitmotiv: „Ich will Anwalt der Schwachen sein, für Minderheiten eintreten und Glaubensfreiheit schützen“.

Der Gustav-Adolf-Preis will durch die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger dieses Profil unserer Arbeit verdeutlichen und stärken. Ausgezeichnet werden sollen evangelische Persönlichkeiten, die aus ihrem protestantischen Selbstverständnis heraus in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Verantwortungsbereich, sei es in Kirche, Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport, exemplarisch Zeichen gesetzt haben und Zeichen setzen für die Verwirklichung jener Ziele, denen sich – wie oben beschrieben – auch das Gustav-Adolf-Werk in seinem Dienst verpflichtet weiß.

Matthias Loesch, Pfarrer und Vorsitzender des Gustav-Adolf-Werkes der EKHN

 

1997: Dr.h.c. HANS KOSCHNICK

Hans Koschnick wurde am 02. April 1929 in Bremen geboren.

Nach der Mittelschule begann er eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst. , Nach Beendigung der Ausbildung war er bei der senatorischen Dienststelle des Senators für „Soziales, Jugend, Familie und Sport“ beschäftigt. Nach verschiedenen Stationen wurde er schließlich Leiter der Abteilung „Jugend, Familie und Sport“ im Sozialressort des Landes Bremen.
Seit 1950 ist er Mitglied der SPD und war dort lange Jahre Mitglied im Bundesvorstand, unter Willy Brandt auch als stellvertretender SPD-Vorsitzender.
Im Bremer Senat war er seit 1963 zunächst als Senator für Inneres, dann von 1967 – 1985 Präsident des Senates, d.h. Regierungschef des Bundeslandes Bremen.
Von 1987 – 1994 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.
Von 1994 – 1996 war er als EU-Administrator für die Koordination des Wiederaufbaus in Mostar / Bosnien-Herzegowina tätig, von 1996 – 1998 Berater der EU-Kommission für den Aufbau eines Europäischen Freiwilligendienstes der jungen Generation.
Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V." war er von 2000 – 2003, Präsident des Deutschen Polen-Instituts von 2000 – 2005.

Hans Koschnick ist evangelisch, verheiratet mit Christine Koschnick und hat einen Sohn.

 

1999: Dr. h.c. CATHERINE TRAUTMANN

GA-Preis für ihren Einsatzes für ein Miteinander verschiedener Kulturen und ihr entschiedenes Eintreten gegen Rassismus jeder Art

Catherine Trautmann wurde am 15. Januar 1951 in Straßburg geboren.

Sie studierte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Straßburg II und schloss ihr Studium mit einer Arbeit im Bereich koptischer Religionsgeschichte, Sprache und Literatur als Magister ab.
Innerhalb des Parti socialiste (PS) gehört Catherine Trautmann seit 1987 dem nationalen Rat an. Von 1986 bis 1988 zog sie für das Département Bas-Rhin in die Nationalversammlung ein. Während dieser Zeit ist sie daneben Mitglied der französischen Delegation beim Europarat. Im Jahre 1988 ernennt sie Michel Rocard schließlich zur Staatssekretärin für Ältere und Behinderte Mitbürger.
Von 1989 bis 1997 war sie Bürgermeisterin von Straßburg und Präsidentin des Stadt-Umland-Verbandes Straßburg. Als Catherine Trautmann 1997 abermals ein Abgeordnetenmandat erhielt, wurde sie als Ministerin für Kultur in die Regierung Frankreichs berufen (bis 2000 ausgeübt).
Bei der Europawahl 2004 erhielt sie ein Mandat für das Europaparlament, 2009 wurde sie wieder gewählt. Seitdem ist sie Leiterin der Delegation der französischen Sozialisten im Europaparlament.

Catherine Trautmann ist evangelisch.

 

2001: Bundespräsident a.D. Dr. Dr.h.c. mult.ROMAN HERZOG

GA-Preis für das Setzen von Zeichen der Versöhnung und Verständigung zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ohne Ansehen ihrer Religion und Konfession

Roman Herzog wurde am 5. April 1934 in Landshut geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur. 1964 habilitierte er sich und lehrte danach in München, ab 1965 auf einem eigenen Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin und ab 1969 in Speyer.
1970 trat Herzog der CDU bei. 1973 wurde er ordentliches Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche.
Nachdem er fünf Jahre lang die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn geleitet hatte, trat er 1978 als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein. 1980 übernahm er das Amt des Innenministers.
1983 ging er als Vizepräsident ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm 1987 das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.
1994 wurde Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, wobei er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durchsetze.
Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Roman Herzog wissenschaftlich und publizistisch tätig. Im Jahr 2000 leitete er den Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta und legte die Empfehlungen der Herzog-Kommission für die zukünftige Parteienfinanzierung vor. Seit dem 3. Oktober 2003 leitet er den "Konvent für Deutschland", dessen Hauptthema die Verbesserung der Reformfähigkeit Deutschlands ist.
Roman Herzog ist evangelisch. 1959 heiratete er die Hauswirtschaftslehrerin Christiane Krauß, die am 19. Juni 2000 verstarb. Sie widmete sich den an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose erkrankten Menschen und gründete die nach ihr benannte Christiane-Herzog-Stiftung. Das Ehepaar hatte zwei Söhne.

Roman Herzog ist in zweiter Ehe mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, geb. von Vultejus, verheiratet.

 

2003: JProf. Dr. habil. Inz. Dr.h.c.mult. JERZY BUSEK

GA-Preis für sein Engagement für Versöhnung, insbesondere zwischen Deutschland und Polen

Jerzy Karol Buzek wurde am 3. Juli 1940 in Smilowice (Smilowitz), Landkreis Teschen, heute Tschechische Republik, geboren.
Nach dem Abitur studierte er von 1957 bis 1963 er an der Schlesischen Technischen Universität (Politechnika Śląska) in Gliwice (Gleiwitz), wo er das Studium 1963 als Ingenieur für Chemie abschloss. Im selben Jahr begann er seine Tätigkeit am Institut für Chemieingenieurwesen der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Gliwice. 1969 promovierte er. In den 70er Jahren war er ausschließlich wissenschaftlich tätig.
Von 1980 bis 1981 sowie ab 1989 war Buzek in der Gewerkschaft Solidarność tätig, 1981 als Vorsitzender des ersten Solidarność-Kongresses. Während des Kriegszustandes unter General Wojciech Jaruzelski wirkte er im Untergrund in führenden Positionen der Solidarność mit.
Von 1997 bis 2001 war Buzek polnischer Ministerpräsident.
Jerzy Buzek ist heute Mitglied der konservativ-liberalen Platforma Obywatelska (PO, Bürgerplattform) und wurde 2004 als Abgeordneter in das Europäische Parlament gewählt. Als Abgeordneter der Bürgerplattform ist Buzek Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei und Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Bei der Europawahl 2009 wurde er erneut ins Europäische Parlament gewählt.
Buzek wurde am 14. Juli 2009 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt

Buzek ist evangelisch-lutherischer Konfession. Er ist verheiratet mit Ludgarda Buzek und Vater der Schauspielerin Agata Buzek.

 

2005 Dr.h.c.mult. JOHANNES RAU

GA-Preis für einen christlich motivierten Brückenbauer

Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal geboren. 1948 brach er das Gymnasium noch vor dem Abitur ab und engagierte sich in der Bekennenden Kirche. Er machte eine Lehre als Verlagsbuchhändler und besuchte die Buchhändlerschule in Köln. Auch journalistisch und politisch wurde er aktiv: für die von Gustav Heinemann gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP). 1952 begann er als Verlagsbuchhändler zu arbeiten, war dann als Lektor und Vertreter tätig und wurde 1954 Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags in Wuppertal. Hier erhielt er 1962 einen Sitz im Vorstand und leitete den Betrieb von 1965 bis 1967 als Direktor. Als die GVP sich auflöste, trat Rau der SPD bei.
Ab 1968 gehörte er dem Parteivorstand und ab 1978 dem Parteipräsidium an. Von 1982 bis 1999 war er stellvertretender Parteivorsitzender. Auf Landesebene hatte er den Parteivorsitz seit 1977 inne.
1969 und 1970 war Rau Oberbürgermeister von Wuppertal, anschließend Wissenschaftsminister im Land Nordrhein-Westfalen, und 1978 übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, das er bis 1998 innehatte.
1987 kandidierte er für das Amt des Bundeskanzlers und unterlag Helmut Kohl.
Nach einer ersten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 1994 trat Johannes Rau 1999 erneut für das höchste Staatsamt an und gewann im zweiten Wahlgang. Er war Bundespräsident bis 2004.

Er starb am 27. Januar 2006 in Berlin.

Johannes Rau war evangelisch, verheiratet mit Christina Delius und hatte drei Kinder.

 

2007 Stiftung Frauenkirche Dresden und Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche

GA-Preis für ein Zeichen der Versöhnung zwischen Völkern und Religionen, welches die beiden Organisationen mit ihrem Engagement für die Wiedererrichtung der im Krieg zerstörten barocken Kirche gesetzt haben

Die Stiftung Frauenkirche Dresden wurde am 28. Juni 1994 gegründet. Als Stifter traten die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden auf.

Bis zur Vollendung des Wiederaufbaus bestand die wesentliche Aufgabe der Stiftung Frauenkirche Dresden satzungsgemäß in der Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche als Kirche und einmaliges Zeugnis der Weltarchitektur und als tragendes Erscheinungsbild des europäischen Kulturzentrums Dresden nach dem Entwurf des Erbauers George Bähr. Seit der Vollendung des Wiederaufbaus steht die die Gestaltung des Lebens in der Frauenkirche im Mittelpunkt.

Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden e.V.

Im November 1989 bildete sich eine Bürgerinitiative, die mit ihrem „Ruf aus Dresden“ am 12. Februar 1990 erstmals an die Öffentlichkeit trat. Aus der Bürgerinitiative ging die „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden e. V.“ (Fördergesellschaft) hervor, die unter dem Vorsitz des Musikers Prof. Ludwig Güttler die eigentlichen Initiatoren des Wiederaufbaus in sich vereinte.
Bereits im November 1991 gründete die Fördergesellschaft gemeinsam mit dem Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsens die „Stiftung Frauenkirche Dresden e. V.“ in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins, die die bis zur Gründung der Stiftung Frauenkirche Dresden im Jahr 1994 die Bauherrschaft für den Wiederaufbau übernahm.
Dank der Fördergesellschaft wurden ungezählte Projekte und Initiativen gestartet, die im In- und Ausland wirkenden Förderkreise aufgebaut und Verbindungen, z. B. zur Bundesregierung und zu einzelnen Spitzenpolitikern, hergestellt. Die Gesellschaft warb eine beachtliche Summe an Spenden ein.
Die Wiederaufbau-Fördergesellschaft hatte am Ende mehr als 7.000 Mitglieder in Deutschland und über 20 weiteren Ländern. Es existierten 24 Förderkreise in Deutschland und vier Fördervereine im Ausland. Inzwischen hat die „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden e.V.“ ihre Tätigkeit eingestellt, da der Vereinszweck, der Wiederaufbau, erfüllt war.

Das Leben in der Frauenkirche zu unterstützen, ist Anliegen der Nachfolgegesellschaft – der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V.

 

2009 HEIDEMARIE WIECZOREK-ZEUL

GA-Preis für unverdrossenen Einsatz zur Wahrung der Menschenrechte

Heidemarie Wieczorek-Zeul wurde am 21. November 1942 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur studierte sie von 1961 bis 1965 Englisch und Geschichte an der Universität Frankfurt am Main. Von 1965 bis 1974 war sie Lehrerin an der Friedrich-Ebert-Schule in Rüsselsheim.
1965 Eintritt in die SPD; 1968 bis 1972 Stadtverordnete in Rüsselsheim; 1974 bis 1977 Bundesvorsitzende der Jungsozialisten; 1979 bis 1987 Mitglied des Europäischen Parlaments, Mitglied im Außenwirtschaftsausschuss mit Schwerpunkt Außenhandel, europäische Entwicklungspolitik.
Seit 1987 Mitglied des Bundestages, 1993 bis 2005 stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD, Oktober 1998 bis Oktober 2009 Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Heidemarie Wieczorek-Zeul ist evangelisch.

 

2011 Dr. h.c. ANNE-SOPHIE MUTTER

GA-Preis für sozialdiakonisches Engagement

Anne-Sophie Mutter wurde am 29. Juni 1963 in Rheinfelden in Baden geboren.

Bereits mit fünf Jahren wünschte sie sich Geigenunterricht. Als sie nach einem halben Jahr Unterricht schon einen Wettbewerb gewann, stand ihr Berufswunsch fest. Sie wurde von der Schulpflicht entbunden und erhielt neben Klavier- und Geigenunterricht privaten Schulunterricht. Sie gewann mehrmals den Wettbewerb Jugend musiziert. Die Fachwelt wurde auf die 13-jährige aufmerksam, als sie 1976 bei den Festspielen in Luzern und dann 1977 bei den Salzburger Pfingstkonzerten mit Mozarts G-Dur-Konzert unter Herbert von Karajan debütierte. Anschließende Konzerte und Einspielungen mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan in den 1980er Jahren begründeten ihren Weltruhm.
Seither gehört sie zu den großen Geigen-Virtuosen unserer Zeit. Sie konzertiert in allen bedeutenden Musikzentren Europas, der USA und Asiens. Neben der Aufführung großer traditioneller Werke stellt sie ihrem Publikum immer wieder Repertoire-Neuland vor; Kammermusik und orchestrale Werke stehen gleichberechtigt nebeneinander; und sie nutzt ihre Popularität für Benefizprojekte und die Förderung musikalischen Spitzennachwuchses.
Anne-Sophie Mutter ist evangelisch, war von 1989 bis zu dessen Tod 1995 mit dem Rechtsanwalt Detlef Wunderlich verheiratet. 2002 bis 2006 war sie in zweiter Ehe mit dem Komponisten, Pianisten und Dirigenten André Previn verheiratet. Sie lebt in München und hat zwei Kinder.

Die Preisträger haben das Preisgeld für soziale und diakonische Zwecke verwendet, auch zur Förderung von Bildung und Integration.